Universitätsbibliothek

 

Die Universitätsbibliothek „Svetozar Markovic” in Belgrad ist eine der größten wissenschaftlichen Bibliotheken des Balkan und die Mutteranstalt serbischer Bibliotheken für höhere Bildung. Die erstrangige Rolle der Bibliothek ist Bildungs- und Wissenschaftsbedürfnisse akademischer Population d.h. Studierender, Universitätslehrkräfte und ForscherInnen zu erfüllen. Die Aufgabe der Bibliothek, als einer Kulturanstalt von nationaler Bedeutung, ist das kulturelle und historische Erbe Serbiens zu bewahren und den NutzerInnen zugänglich zu machen.

Auf ihre eigene Art und Weise bezeugt die Universitätsbibliothek die Entwicklung der allgemeinen Gesellschaft und besonders einen gewissen Zeitraum der Vergangenheit.

Sie spiegelt sehr deutlich die Attitüde eines Staates, der sich nach dem Ersten Weltkrieg alle Mühe gab die vergeudete Zeit nachzuholen und Schritt mit hochentwickelten Ländern zu halten, indem er die Bedeutung der Bildung in diesem Zusammenhang anerkannte.

 

Die Erste Sonderbibliothek

Es war die erste Bibliothek in Serbien, für deren Aufbau Geldmittel bereitgestellt wurden. Ende 1920 spendete die Carnegie Stiftung 100.000 US-Dollar an die serbische Regierung für den Aufbau  einer Bibliothek in Serbien. Man muss betonen, dass dies von zwei angesehenen Serben initiiert wurde, die zu der Zeit in den Vereinigten Staaten lebten. Das waren Slavko Grujic  (1871–1937), ein Diplomat und Botschafter des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, sowie Mihajlo Idvorski Pupin, geachteter Physikprofessor an der Columbia University. Pavle Popovic (als Anreger), Veselin Cajkanovic und Aleksandar Belic, drei hochgeachtete Professoren der Philologischen Fakultät in Belgrade und herausragende Wissenschaftler, waren Mitglieder der Kommission für die Gründung der Universitätsbibliothek. Die Grunsteinlegung fand am 24. Mai 1926, am Tag des Heiligen Kyril und Mehod statt. Professor Uros Dzonic (1897–1968) war der erste Direktor der Bibliothek und blieb an dieser Stelle bis zum Zweiten Weltkrieg. Die Hauptaufgabe der Bibliothek war Wissenschaft zu kultivieren und Bedürfnisse, nicht nur die der Studierenden und Universitätslehrkräften, sondern auch aller WissenschaftlerInnen in Belgrad, zu erfüllen.

Vom Zweiten Weltkrieg bis zu den ‘90er Jahren

Während des Zweiten Weltkriegs war die Bibliothek für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, ein Teil des Gebäudes war vom deutschen Militär besetzt, doch das Gebäude und die Sammlungen blieben zum größten Teil unbeschädigt. Nach der Befreiung wurde Milica Prodanoovic, eine Biliothekarin zur Zeit des Krieges, zur Direktorin. Bei der Hundertjahrfeier der Geburt von Svetozar Markovic erhielt die Bibliothek 1946 ihren heutigen Namen: Universitätsbibliothek „Svetozar Markovic”. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann man modernere Bibliotheksmethoden in der Organisierung und der Katalogisierung zu verwenden. Der klassifizierte öffentliche Katalog wurde errichtet und die Bibliothek schaffte sich Kontakte mit Universitäten und Nationalbibliotheken im In- und Ausland. Die Bibliothek begann mit einem regen Austausch der Publikationen und mit der Fernleihe. In der Zwischenzeit arbeitete die Bibliothek an der Modernisierung und Digitalisierung ihrer Aktivitäten und entschied 1987 die Universität in Belgrad und die Bibliothek zu einem Informationszentrum der Universität in Belgrad zu erklären. Der E-Katalog wurde eingerichtet und ist nun rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, verfügbar. Gleich nach der Erscheinung des World Wide Webs bot die Bibliothek ihren NutzerInnen verschiedene Suchmöglichkeiten an. Die Universitätsbibliothek war die erste Bibliothek in Serbien, die eine Website hatte, nämlich schin im März 1996.

Heute

Mit dem Wissen, dass die Nationalkultur mit der Entwicklung des globalen Digitalisierungsprozess Schritt halten muss, um kulturelles und wissenschaftliches Potenzial in der modernen digitalen Umgebung zu bewahren, kann man feststellen, dass die Univeritätsbibliothek „Svetozar Markovic“ einige reiche Erfahrungen gemacht hat:

Vollendung der ersten digitalisierten Sammlung der Handschriften aus dem Legat von Isidora Sekulic, eine serbische Schriftstellerin; Digitalisierung  der alten kyrillischen Handschriften; Einrichtung von Phaidra, einem digitalen Repositorium (Einrichtung des Systems der E-Thesen, innerhalb des Repositoriums für Aufbewahrung der Doktorthesen, was simultan auch Teil der ersten serbischen Sammlung der grauen Litaratur ist) und die Gründnung des Wissenszentrums und Beiträge zu internationalen Digitalisierungsprojekten (wir sind besonders Stolz auf die Digitalisierung alter serbischen Zeitungen innerhalb des Europeana Newspapers Projekts). Die Universitätsbibliothek trug zu diesem Projekt mit 400.000 digitalisierten Zeitungsseiten mit Metadaten bei. Dies ist die erste und die zahlreichste kyrillische Sammlung, die komplett durschsuchbar ist.