Anlässlich des 100. Geburtstags von Bogdan Bogdanović organisiert die Universitätsbibliothek „Svetozar Marković“ zusammen mit der Österreichischen Bibliothek Belgrad und dem Österreichischen Kulturforum in Belgrad die Ausstellung: Zerstrittene Erinnerungen, Bogdan Bogdanović (1922–2010), anlässlich des 100. Geburtstags des bedeutenden Architekten

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Montag, den 12. 12. um 12 Uhr in der Prunkgalerie der Universitätsbibliothek „Svetozar Marković“ in Belgrad statt.

 

Bogdan Bogdanović, ein großer Architekt der jugoslawischen sozialistischen Ära von globalem Ausmaß und Bedeutung, war in erster Linie ein Schöpfer der Gedenkarchitektur. Er ist Autor einer großen Anzahl von Denkmälern, die den Opfern des Zweiten Weltkriegs gewidmet sind, darunter die Denkmäler in Mostar, Kruševac, Sremska Mitrovica, Prilep, Garavice und Jasenovac.Neben der Erinnerungsarchitektur forschte und reflektierte er über den Urbanismus, die Geschichte und die Poetikder Stadt. Er war ein herausragender Pädagoge, Theoretiker, Polemiker und Schriftsteller von einzigartigem Denkvermögen. In der historischen Perspektive erlitt er das für das Land und die Kultur, mit denen er verbunden war, typische Schicksal, vom fast offiziellen Staatsbaumeister gelangte er zu Verfolgung und Verbannung. Die harten und widerstreitenden Stellungnahmen über Person und Werk Bogdanovićs zeugen von dem großen symbolischen Potenzial, das sich darin befindet. „Ich möchte sowohl Krieg als auch Frieden, den Sieger sowie die Besiegten und verständlicherweise vor allem die unzerstörbaren Freuden des Lebens in den Rahmen des allmenschlichen anthropologischen Gedächtnisses belegen.“

 

Neben all seinen berühmten architektonischen Werken erwies sich Bogdanović auch als sehr erfolgreicher Schriftsteller. Obwohl er sich selbst nicht als Schriftsteller betrachtete (er sagte, dass er in erster Linie ein Baumeister sei, der schriftlich denkt und etwas darüber zu schreiben weiß), weist ihn sein Werk als außergewöhnlichen Essayisten, Theoretiker und Geschichtenerzähler auf. Als die Umstände ihn zwangen, mit dem Bauen aufzuhören, wandte sich Bogdanović dem intensiven Schreiben zu. Dieser Übergang zu einem neuen Medium bestätigte und vertiefte jedoch nur, was er lange erlebt und als tiefere Verbindung zwischen Architektur und Sprache beschrieben hatte:  „In der Architektur gibt es unglaublich viele unterirdische Kanäle zwischen Form und Wort.“

 

Das intellektuelle Erbe Bogdanovićs ist zwischen der Österreichischen Nationalbibliothek, dem Architekturzentrum Wien und dem Museum für zeitgenössische Kunst Zagreb aufgeteilt. Was seine persönliche Bibliothek aus seiner Wohnung in der Belgrader Viertel Čubura betrifft, in seiner letztwilligen Verfügung wurde verlangt, dass sie Studenten und Forschern zur Verfügung gestellt wird. Diese wertvolle Bibliothek wurde aufgezählt und der Universitätsbibliothek „Svetozar Marković“ in Belgrad geschenkt, wo sie bald als eine der Spezialbibliotheken signiert werden soll.

 

In der postsozialistischen Zeit löste Bogdanovićs Werk eine große Polarisierung in der Rezeption aus, die als widersprüchliche oder gar zerstrittene Erinnerungen bezeichnet werden können. Interpreten von Bogdanovićs Werk und Person definieren ihn als ein schwer zu entschlüsselndes Rätsel in unserer Kultur, dessen Stellungnahmen Störungen und Spaltungen auslösten. Für einen Teil der Öffentlichkeit war er ein Spitzenintellektueller und Kosmopolit, für andere ein Landesverräter. Und dadurch wurde er in einzigartiger Weise zu einem Phänomen, zu einer symbolischen Persönlichkeit einer ganzen Epoche und Kultursituation.

 

Grußwort Prof. Dr. Aleksandar Jerkov

AutorInnen der Ausstellung: Svjetlana Đelić, Šejla Džidić und Igor Ivanović aus der Universitätsbibliothek „Svetozar Marković“.